Völkerverständigung - Arbeitsgruppe Bad Saulgau

 

Erinnerungskultur ist wichtig

"Damit wir es nicht vergessen"

Sehr geehrte Damen und Herren,

gerne möchten wir Ihnen unser Projekt zum hochaktuellen Thema Erinnerungskultur vorstellen. In den „Geschichten hinter der Geschichte“ erzählen Zeitzeugen aus Kriegstagen - ihre Wege kreuzten und kreuzen sich in Saulgau und Umgebung. Diese authentischen Lebenserinnerungen sind nicht nur wertvolle Zeitdokumente eines bisher kaum beachteten Kapitels der Bad Saulgauer Stadtgeschichte, sondern sie spiegeln auch unsere heutige Gesellschaft wider, die vom Schicksal dieser Generation mitgeprägt wurde.

Unser Projekt ist somit auch eine Wertschätzung des Kraftakts dieser Generation, die die materiellen Zerstörungen, die dieser furchtbare Krieg hinterlassen hat, tapfer und tatkräftig wieder aufgebaut hat.

Diese sehr persönlich erzählten Erlebnisse sollen unsere Herzen berühren, damit wir diese Epoche nicht vergessen und für ein friedliches Miteinander daraus lernen.

 

Freiheit ist nicht selbstverständlich - Freiheit gibt man weiter!


Wir planen unser herausforderndes Buchprojekt im Herbst 2022 umzusetzen. Dazu gehören natürlich auch die finanziellen Mittel, um das Projekt zu realisieren.
Für die Herausgabe des Buches ist uns Ihre Unterstützung sehr wichtig und wir freuen uns auf großzügige Spenden.

Im Namen der Arbeitsgruppe SLG herzlichen Dank

Conny Scheck  &  Maria Margarete Gelder

 

Die Arbeitsgruppe SLG  -  Spuren Lebendig Gemacht  -  arbeitet ehrenamtlich:

Irmgard Bertsch, Monika Fischer, Maria M. Gelder, Wolfgang Jung, Eugen Kienzler, Matthias Metzler, Anita Metzler-Mikuteit, Karin Mutschler, Manfred Restle,
Conny Scheck, Thomas Scheck, Marion Stärk, Fritz Weiß, Elisabeth Wesselmann, Manfred Wetzel

Das Projekt wird durch die tatkräftige Unterstützung vieler kundiger Mitdenker getragen.


Gedanken von Conny Scheck

Völkerverständigung ist, was mich antreibt…

… meine persönlichen Beweggründe, die mich im Januar 2021 dazu veranlassten, zusammen mit Mary Gelder das Saulgauer Zeitzeugen-Projekt zu starten.

Suchen was uns verbindet und nicht was uns trennt

Im Jahr 2019 habe ich in meiner niederländischen Wahlheimat bei einem Buch-Projekt mitgearbeitet, bei dem wir anlässlich der Gedenk-Feierlichkeiten „75 Jahre Befreiung und Frieden“  noch holländische Zeitzeugen nach ihren Kriegserinnerung befragten - unser kleines Dorf wurde damals von den Deutschen besetzt und kurz vor Kriegsende auch zerstört:

 

Operation Veritable - die Befreiung von Kekerdom

Kekerdom in bange dagen

Am 8. Februar 1945 begann die Rheinland-Offensive, die kanadischen Truppen durchbrachen hier mit Amphibienfahrzeugen die deutsche Linie. Die deutsche Wehrmacht hatte sich am Waal-Deich und bei der kleinen Siedlung Zandpol verschanzt. Das Hochwasser, das durch den gesprengten Deich die Polder überflutete, erschwerte die Kampfhandlungen, bei denen neun junge Kanadier ums Leben kamen. Am Tag darauf wurde Kekerdom befreit, doch die Zivilbevölkerung, die Monate zuvor evakuiert  worden war, konnte erst im Mai 1945 wieder in ihr verwüstetes  Dorf zurückkehren. Von den enormen Kriegsschäden erholte sich die Siedlung Zandpol nicht mehr – sie verschwand in den 1960-iger Jahren gänzlich vom Erdboden.

 

...  durch diese Arbeit knüpfte ich einen engen und sehr herzlichen Kontakt mit vielen Senioren, ich erfuhr viel über ihr Leben in unserem Dörfchen Kekerdom, damals und auch heute. Dass ich mit meinen deutschen Wurzeln „eigentlich“ zu den ehemaligen Besatzern gehöre, schien keinen zu „stören“ -  ganz vereinzelt wunderten sich ein paar, dass ich mich so selbstverständlich mit den „Bangen Tagen von Kekerdom“ befasste und fragten mich, wie sich die holländische Spurensuche denn als Deutsche anfühle. Da fiel auf, wie wenig ich über meine, die Saulgauer Heimatgeschichte wusste … 

Ich fragte deshalb im September 2019 meine Eltern, wie sie als Kinder den Krieg in Saulgau und Umgebung erlebten. Es war erstaunlich, was sie noch alles wussten  -   doch sie hatten uns Kindern nie davon erzählt!

Parallel dazu erreichte mich eine Anfrage vom Saulgauer Stadtarchiv: drei Männer aus den Niederlanden suchten nach Informationen über einen Anton Franz Schmid aus Saulgau aus der Gutenbergstraße. Mary Gelder vom Stadtarchiv hakte intuitiv bei meiner Mutter nach und wurde umgehend „fündig“: besagter Anton Franz war der Cousin von Lore Scheck - er war der Pilot, der im Oktober 1944 mit seiner Kampfmaschine bei einem Einsatz nach England über einem kleinen holländischen Dorf in der Provinz Friesland abgestürzt war. Alle Besatzungsmitglieder fanden den Tod, sie sind im holländischen Ijsselstijn auf dem riesigen Kriegsfriedhof zusammen mit 32.000 jungen deutschen Soldaten begraben. Ein unvorstellbares Meer von steinernen Kreuzen!

Schon der Vater der drei jungen Holländer untersuchte jahrelang die Absturzstelle, nun wollen sie zur Erinnerung auch eine Gedenktafel für die ehemals feindlichen Soldaten errichten: doch wer waren die jungen Menschen, die sich hinter dem Namen verbergen? Die Drei wollten über das Leben der abgestürzten Deutschen so viel wie möglich erfahren - das ist grenzüberschreitende Versöhnung

Sinds  we met onze zoektocht begonnen zijn heeft nog niemand ons zo enthousiast geholpen als mevrouw Gelder van het archief Bad Saulgau -  zo ver,dat we nu zelfs contact met u hebben!

Seit wir mit unserer Spurensuche angefangen haben, hat uns noch niemand so begeistert weitergeholfen, wie Frau Gelder vom Stadtarchiv Bad Saulgau - so weit, dass wir nun sogar mit Ihnen Kontakt haben!

… aus diesem Kontakt ist inzwischen ein sehr herzlicher Austausch geworden!
Nach 75 Jahren war ich das erste Familienmitglied, das zu Antons 100. Geburtstag sein Grab besuchte: auch seine Mutter „Tante Rese“ -  wusste nie genau, wo ihr Sohn beerdigt war. Dies war ein sehr, sehr bewegender Moment  - ein unbekanntes Grab hatte plötzlich ein Gesicht, das Gesicht unserer Familie.

siehe auch: https://www.volksbund.de/nachrichten/suchen-was-uns-verbindet-nicht-was-uns-trennt

Meine Mutter ist durch die versöhnende Geste der friesischen Männer wirklich zutiefst  gerührt - sie ist überglücklich, ein verlorenes Stück ihrer Kindheit, unserer Familiengeschichte nach 75 Jahren wieder zurückgefunden zu haben.

 

Faces to graves - diese Erfahrung und die Erzählungen meiner Eltern veranlassten mich, zusammen mit Mary Gelder auf die Saulgauer Spurensuche zu begeben:

damit wir die unfassbaren  Geschehnisse von damals nicht vergessen - auch ein bisschen mahnen und vor allem daraus lernen!

Ich danke Ihnen für’s Lesen  -  nun können Sie sich vielleicht ein Bild davon machen, was mich bewegt
- und vor allem, was unsere Arbeitsgruppe SLG - Spuren Lebendig Gemacht - in Bad Saulgau bewegt.

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Völkerverständigung - natürlich spricht es für sich, dass auch die Kekerdomer Arbeitsgruppe sich ganz „selbstverständlich“ für die Saulgauer Spurensuche interessiert, mitdenkt und uns tatkräftig unterstützt  -  im Oktober 2021 besuchten wir zusammen meine Heimatstadt Bad Saulgau.

 

Deze grijze dagen lenen zich voor introspectie. Ontelbare grauwe kruizen - en je realiserend dat achter elk ervan een peilloos verhaal schuil gaat - dan lopen de rillingen over je rug.
Vijf jaar trots geplet onder 75 jaar leed en schaamte.
Alleen in stilte valt dat te bevatten.

Diese grauen Tage eignen sich für den Blick nach innen. Unzählige graue Kreuze  -  und  dann realisieren, dass sich hinter jedem ein Abgrund auftut - da laufen einem Schauer über den Rücken.
Fünf Jahre Stolz wurden  unter 75 Jahren Leid und Scham plattgewalzt.
Das können wir nur ganz in Stille begreifen.

Johan Bekhuis -  Initiativnehmer Kekerdom in bange dagen

 

Besuch auf der Kriegsgräberstätte Ijsselstijn, Niederlande am 03. April 2022

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… der Ruf nach Frieden ist heute wohl aktueller denn je:

Wohin am Ende ideologische Verleitung und falsche Worte führen, das kann man nirgendwo besser nachvollziehen als auf einer Kriegsgräberstätte wie Ijsselstijn/Niederlande.

Krieg, das ist nichts, wovon man nur in Geschichtsbüchern liest oder in Erzählungen der Großeltern hört – das Thema Krieg ist leider brandaktuell,

denn Frieden und Freiheit sind nicht selbstverständlich!

Film von Leon Vrijdag Fotografie


Kontakt

Arbeitsgruppe SLG

Stadtarchiv Bad Saulgau
Maria M. Gelder

Öffnungszeiten: Di u. Mi v. 8 - 12 Uhr

so erreichen Sie uns

Kaiserstr. 58, Bad Saulgau
07581 - 2007465
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